Materialseilbahn für den Bau des Entwässerungsstollens Braunwald
Braunwald, 20. April 2026 - Bis Herbst 2026 erfolgen weitere diverse Vorbereitungsarbeiten sowohl im Tal als auch am Berg. Der Start zum Vortrieb des Entwässerungsstollens findet direkt danach statt.
Das Projekt «Entwässerung Braunwald 2025 – 2030» nimmt Fahrt auf. Eine eigens errichtete Materialseilbahn bildet das Herzstück der ganzen Baustellenlogistik. Bis Herbst 2026 erfolgen weitere diverse Vorbereitungsarbeiten sowohl im Tal als auch am Berg. Der Start zum Vortrieb des Entwässerungsstollens findet direkt danach statt.
Seit 2025 laufen die Vorarbeiten für das Grossprojekt zur Entwässerung von Braunwald, das bis 2030 dauern wird und für das 45.9 Millionen Franken veranschlagt sind. Inzwischen ist die Fläche für den Installations- und Umschlagplatz an der Talstation der Materialseilbahn in der Nähe des Parkplatzes der Braunwald-Standseilbahn AG erstellt worden. Die Fläche für den Installationsplatz bei der Bergstation ist bereits gerodet. Sichtbar sind zudem die Fundamente der drei Stützen für die Materialseilbahn, die nach Vollendung des Entwässerungsstollens wieder abgebaut wird. Alle für die Bahn und die Baustelleninstallation genutzten Flächen werden am Ende renaturiert. In den nächsten Monaten entsteht der Installationsplatz bei der Bergstation der Materialseilbahn und es wird ein Einschnitt im Gelände erstellt, um mit dem untertägigen Bau des Stollens beginnen zu können.
Materialseilbahn sorgt für schonenden Bau in Braunwald
Die Arbeiten untertage beginnen voraussichtlich im Verlauf des kommenden Herbstes. Zuvor werden die Tunnelbauunternehmung und Fachfirmen die notwendigen Installationen wie Baustellenbaracken, Geräte und Wasserbehandlungsanlagen anliefern und einrichten. Während der Sommermonate konzentrieren sich die Bauarbeiten weiterhin auf die oberirdischen Baustellenbereiche. Für den Projektleiter Robert Strukely ist die neue Materialseilbahn ein wesentlicher Baustein für die Umsetzung des Projekts: «Der Materialtransport erfolgt einzig über die Materialseilbahn. So bleibt Braunwald auch während der ganzen, mehrjährigen Bauphase autofrei. Damit werden zusätzliche Belastungen für das Dorf und die Landschaft vermieden». Transportiert werden nicht nur Maschinen und Material für die Baustelle, sondern später auch der Ausbruch aus dem Stollen. Die Pendelbahn mit Umlaufantrieb ist rund 1.5 Kilometer lang und hat bei Normalbetrieb eine Nutzlast bis zu 13.5 Tonnen. Die Höhendifferenz beträgt knapp 600 Meter.
Warum ein Entwässerungsstollen?
Mit dem Entwässerungsstollen reagiert Braunwald auf eine seit Generationen bekannte Herausforderung: Auf einer Fläche von rund vier Quadratkilometern bewegt sich das Erdreich im Siedlungsgebiet langsam talwärts. Durch die gezielte Ableitung von Wasser aus der Rutschmasse wird der Porenwasserdruck reduziert und die Stabilität des Untergrunds nachhaltig erhöht. Erreicht wird dies durch den Bau eines Hauptstollens mit einer Länge von 918 Metern sowie eines zusätzlichen Seitenstollens. Die Entwässerung des Erdreichs bremst die Bewegung massgeblich, wodurch Schäden an Gebäuden und Infrastruktur in Braunwald und in den darunterliegenden Talgebieten künftig verhindert werden.
Das Konzept der unterirdischen Entwässerung hat sich bereits mehrfach bewährt: Vergleichbare Projekte wurden erfolgreich in Beckenried (Nidwalden), Campo Vallemaggia (Tessin) oder beim Stollen La Frasse unterhalb des Col des Mosses (Waadt) umgesetzt. Aktuell zeigt der sich in Erstellung befindende Entwässerungsstollen unter dem Dorf Brienz/Brinzauls (Kanton Graubünden) eine positive Wirkung. Die Rutschbewegung der Erdmasse hat sich dort deutlich verlangsamt. (siehe Informationsbulletin der Gemeinde Albula/Alvra). Das Nutzen-Kosten-Verhältnis zwischen den Investitionen und den potenziellen künftigen Schadensereignissen liegt beim Entwässerungsstollen Braunwald bei einem Faktor von über zehn. Damit erfüllt der Bau des Stollens in Braunwald auch die Wirtschaftlichkeitsvorgaben des Bundes zur Unterstützung von Massnahmen zum Schutz vor Naturgefahren um ein Mehrfaches.
Mehr Sicherheit für Bevölkerung und Infrastruktur
Parallel zum Bau wird die bereits heute praktizierte Überwachung der Hangrutschung Braunwald weitergeführt, um die Hangbewegung und die Auswirkungen der Bauarbeiten jederzeit im Blick zu behalten. Markus Hefti, Präsident der Entwässerungskorporation, betont: «Das Entwässerungsprojekt leistet einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit von Bevölkerung, Gästen und Infrastruktur. Gleichzeitig reduziert es langfristig das Risiko von Schäden durch Hangbewegungen und Murgänge». Nach aktuellem Planungsstand soll der Entwässerungsstollen bis 2029 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Die Umsetzung der Rekultivierungen, ökologischen Ersatzmassnahmen und der Aufforstung dauern bis 2030.
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Entwässerung Braunwald 2025 – 2030
Das Projekt «Entwässerung Braunwald 2025 – 2030» dient der langfristigen Stabilisierung des Siedlungsraums Braunwald. Gebaut wird ein 918 Meter langer Entwässerungsstollen mit 90 zusätzlichen Drainagebohrungen, der Wasser gezielt aus der Rutschmasse ableitet und so die Hangbewegung reduziert. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 45.9 Millionen Franken und werden von Bund, Kanton, Gemeinde Glarus Süd sowie der Entwässerungskorporation Braunwald getragen.
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Projektleitung und Realisation
- Bauherr: Entwässerungskorporation Braunwald mit Unterstützung von Bund, Kanton Glarus und Gemeinde Glarus Süd
- Projektleitung: Infranext AG, Kriens
- Unternehmung: ARGE AFT Frutiger AG, Thun / Toneatti AG, Bilten
- Projektverfasser: AFRY Schweiz AG, Zürich
- Geologe: Dr. von Moos AG, Zürich
- Bauherrenunterstützung: tbf-marti ag, Schwanden
- Umweltbaubegleitung: AFRY Schweiz AG, Zürich
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Entwässerungsstollen Braunwald
E-Mail: stollen@ewkb.ch
Telefon: + 41 44 365 20 20
Bildlegende:
Die Materialseilbahn wird das Herzstück des Projekts «Entwässerung Braunwald 2025 – 2030». © Entwässerungskorporation Braunwald / Samuel Trümpy
Zwischenstütze Materialseilbahn © Entwässerungskorporation Braunwald / Samuel Trümpy
Aufbauarbeiten Materialseilbahn © Entwässerungskorporation Braunwald / Samuel Trümpy